Hommage für Hans Mayer-Foreyt zum 100. Geburtstag

Vom 15. Juli bis zum 16. September zeigt der Kunstverein Feldberger Land e.V. in den Räumen der Tourist-Information Werke von Hans Mayer-Foreyt (1916-1981).

Hans Mayer-Foreyt, einer der Gründer der, inzwischen durch Künstler wie Neo Rauch geradezu legendär gewordenen, Leipziger Schule – gemeint ist die für Graphik und Buchkunst – wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Dass auch im nahe gelegenen Carwitz in diesem Jahr ein Jubiläum gefeiert wird, nämlich der 800. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung des malerischen Ortes, ist ein schöner Zufall der Geschichte.

Die Verbindung und das Spannungsfeld Leipzig – Carwitz ist Thema der Ausstellung. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht nur auf seinen berühmten Schlüsselwerken wie dem ‚Specht im Walde‘, den er bereits im Jahre 1980 (!) einen dichten Grenzwald ÜBERFLIEGEN lässt.

Stattdessen spannen die – zum Teil erstmals gezeigten – Arbeiten den Bogen zwischen den beiden wichtigsten Orten seines Schaffens: Leipzig und die Feldberger Seenlandschaft.

Als er 1946  knapp dreißigjährig aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Leipzig kam und 1951 als Dozent  und schließlich 1958 als jüngster Professor in deren Geschichte die Leitung des Grundstudiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst übernahm, war die Stadt weitgehend zerstört und zwischen klaffenden Bombenwunden blitzte die Schönheit der berühmten Messe- und Handelsstadt nur noch schlaglichtartig hervor. Die Zeit war aber auch die des Aufbruchs, der nachgeholten Jugend nach Krieg und Entbehrung. So finden sich belebte Straßen, Kaffeehausszenen und solche aus dem studentischen Leben.

Die Feldberger Seenlandschaft entdeckte der junge Professor anlässlich einer Exkursion mit Studenten – und war so begeistert, dass er wenig später einen Bungalow in Carwitz baute. Seitdem verbrachte er regelmäßig die Semesterferien dort und bis zu seinem frühen Tod im Alter von nur 65 Jahren gingen ihm die Motive nicht aus.

Nicht zufällig sind – bei den Papierarbeiten - die Leipziger Motive häufig Feder- oder Bleistiftzeichnungen, die Mecklenburger Landschaften hingegen strahlen nicht selten in luftigem Aquarell. Das spricht zum einen für die Inspiration, die von dieser wunderschönen Landschaft ausgeht, macht aber auch deutlich, dass seine Lehrtätigkeit an der Hochschule in Leipzig – und er war ein beliebter Lehrer - nur wenig Zeit für kurze Impressionen ließ.

Anders in Carwitz: Hier konnte der Blick schweifen, die flirrende Sommerluft bildlich eingefangen werden. Doch auch hier sind es die von Wasserläufen und Seen geteilten Landschaften, die er immer wieder sieht und die sein Werk zeitlebens prägen und die schließlich in ebendiesem ‚Specht‘ ihren bildnerischen Ausdruck finden.

Und deshalb wurde ‚Der Specht im Walde‘ von den Herausgebern des bayrischen Geschichts-Schulbuches Horizonte 10 als das Kunstwerk ausgewählt, das für Zeitgeschichte im Osten des geteilten Deutschland steht, so wie das Werk von Jörg Immendorff die Quintessenz der Kunst im Westen des Landes repräsentiert.  

So ist die Ausstellung weit mehr als nur eine Spiegelung des klassischen Spannungsfeldes Stadt-Land, Großstadtlärm und Land-Idyll, Schatten und Licht, politisch und unpolitisch. Seien Sie gespannt, lassen Sie sich darauf ein!

Die Ausstellung wird im Beisein der Witwe und des Sohnes des Künstlers
am 15. Juli um 19:00 Uhr eröffnet. 
 

Evelyn Mayer-Foreyt

Hans Mayer-Foreyt "Luzinhalle" Gouche auf Papier,1964

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